Fünf fremde Nummern.
Sven Sauer
15. Oktober 2026
Drei Tage Summit in Warschau, fünf fremde Dienstleister, kein Wort Polnisch – und warum die Sprache nie die Wand war, die ich erwartet hatte.
Zum ersten Mal in einem Land produzieren, dessen Sprache du nicht sprichst – das hat seinen eigenen Nervenkitzel. Der kommt nicht vom Programm, nicht von der Bühne, nicht von 120 Gästen über drei Tage. Das Kribbeln kommt von ein paar Wörtern. Ein Satz, der falsch ankommt – und der Tisch steht am falschen Ort, oder der Bus fährt zur falschen Zeit.
Dabei ist Ausland für uns nichts Neues. Wir produzieren oft in Ländern, deren Sprache wir nicht sprechen – Italien, Frankreich, Spanien, Portugal. Aber das sind meist Incentive-Reisen, und die sind nicht meine Baustelle; das machen Melanie und die KollegInnen im Team. Und dort steht fast immer ein DMC dazwischen – eine Incoming-Agentur, spezialisiert genau auf diese Schnittstelle: Sprache, Local Knowledge, die Insider-Tipps, die kein Reiseführer kennt. In Warschau hatten wir diese Schnittstelle nicht. Wir haben direkt produziert.
Drei Tage Leadership Summit für DKV Mobility im Sofitel Warsaw Victoria. Fünf polnische Dienstleister, die wir zum ersten Mal beauftragt haben. Und ich mittendrin. Englisch ist nicht mein Thema. Polnisch schon – da kommt bei mir kein ganzer Satz zusammen.
So viel vorweg: Das Kribbeln war unnötig.
Fünf Gewerke, kein Wackeln
Die Technik stand. VISAU hatte eine LED-Wand von sieben mal dreieinhalb Metern im Saal, eine Simultananlage Polnisch-Englisch mit 120 Empfängern, Licht, Ton, alles. RAF TRANS fuhr die Gäste, wie es im Vertrag stand – Montag 35 zum Varso Tower, Dienstag 120 in drei Bussen ins MOXO, der Rücktransfer rollte in Wellen bis eins nachts. Colors of Design lieferte die Möbel am Montag um acht, auf die Minute: hundert Stühle, zwanzig Hochtische, das ganze Programm. Dazu druk24h für den Druck und die Küchen im Highline und im MOXO. Fünf Gewerke, die ich vorher nie beauftragt hatte. Und keines, das gewackelt hätte.
Die Sprache? War nie die Wand, die ich erwartet hatte. An einer Stelle wurde sie sogar komisch. Meine Projektmanagerin auf Kundenseite – zu meinem Glück polnische Muttersprachlerin – bekam in ihrem Verteiler natürlich alles auch auf Polnisch. Also lagen hin und wieder E-Mails – mitten im Kreis aus Kundenseite und Dienstleistern – einfach auf Polnisch in meinem Postfach. Früher wäre ich da ins Schwitzen gekommen. Heute: einmal durch die Übersetzung, verstanden, geantwortet, weiter.
Mehr als Möbel tragen
Die schönste Sache mit der Sprache passierte aber nicht im Postfach. Sie passierte am Montagmorgen, zwischen zwei Hochtischen.
Acht Uhr, die Möbel kamen. Colors of Design, ein paar Jungs, die angepackt haben. Logistik, Aufbau, einer wie der andere.
Und dann kam einer auf mich zu. Völlig unverblümt. Er hatte im Briefing zwei, drei englische Wörter von mir aufgeschnappt und wollte wissen, was sie genau heißen. Nicht, weil der Aufbau es gebraucht hätte. Sondern weil er – gebürtiger Ukrainer, heute in Warschau – beschlossen hat, an seinem Englisch zu arbeiten. Er will reisen. Er will nicht den Rest seines Lebens Möbel tragen.
Er hat mich das gefragt, zwischen zwei Hochtischen, und danach weiter angepackt. Mit einer Zuverlässigkeit, die man nicht briefen kann.
Eine App trägt keinen Tisch
Hier könnte ich jetzt die bequeme Geschichte erzählen: Seht her, die Technik macht's, KI übersetzt, Sprachbarriere gelöst, Haken dran.
Aber das stimmt nicht. Eine Übersetzungs-App trägt keinen Tisch. Und sie fragt dich auch nicht zwischen zwei Hochtischen nach einem englischen Wort, weil sie mehr aus sich machen will. Die Sprache war nie die Wand – nicht, weil ein Tool sie weggeräumt hätte, sondern weil die Leute auf der anderen Seite gar nicht erst eine aufgebaut haben. Sie wollten, dass es läuft. Von beiden Seiten.
Woran du Oberliga erkennst
Du erkennst sie daran, dass eine Kette aus fremden Dienstleistern – erste Zusammenarbeit, fremdes Land – einfach hält. Dass es trägt. Und dass es nebenbei Spaß macht.
Ich bin mit Kribbeln nach Warschau geflogen. Zurückgeflogen bin ich mit fünf Nummern im Telefon, die ich beim nächsten Mal zuerst anrufe.
Wenn du dein Event im Ausland planst und dieses Kribbeln kennst: Ruf uns an. Wir wissen, worauf es ankommt – und es sind nicht die Vokabeln.
— Sven
Über den Autor

Sven Sauer
Strukturen, Prozesse, Klarheit. Der Kopf, auf den sich alle verlassen können.




