Kai muss aus der Kiste
Melanie Thurm
23. April 2026

Was Out-of-the-Box-Denken für uns bedeutet
Anders. Besonders. Vollkommen gewöhnlich.
Das ist meine ehrliche Reaktion, wenn ich höre, wie Unternehmen über ihre Veranstaltungen, ihre Marken, ihre Agenturen reden. Jeder will das Besondere. Und irgendwo in diesem Rauschen hat das Wort aufgehört, etwas zu bedeuten.
Wir leben in einer Gesellschaft, die Einzigartigkeit als oberstes Versprechen verkauft. Nur was sich authentisch und unverwechselbar anfühlt, hat Wert.
Das klingt nach Freiheit. Ist es aber meistens nicht.
Denn das Besondere wird aus denselben Teilen gebaut wie das Gewöhnliche – es wird nur anders kombiniert. Zwanzig Produktvarianten, zehn Optionen je Variante, frei kombinierbar: Die Zahl der theoretisch individuellen Lösungen ist beeindruckend. Das Gefühl dahinter ist es oft nicht. Es bleibt ein Baukasten. Und Bausteine kann man kaufen, kopieren, wiederholen.
Und jetzt kommt der Satz, um den sich für mich alles dreht: Wer über die Grenzen der Schachtel hinausdenken will, muss die Schachtel kennen.
Und die Schachtel verändert sich ständig.
Design Thinking nennt das Reframing – das Neuformulieren eines Problems, bevor man anfängt, es zu lösen. Kein schlechter Gedanke. Wir haben ihn uns angeschaut, einiges mitgenommen, und dann das gemacht, was man eben macht, wenn man nicht im Silicon Valley sitzt, sondern in Deutschland und seit zwanzig Jahren Veranstaltungen baut: eine eigene Form daraus entwickelt.
Wer das nicht tut – die Schachtel nicht kennt –, macht nichts bewusst Besonderes. Der macht irgendetwas und hofft auf Zufall. Wer es weiß, kann die Mechanismen aufbrechen. Gezielt. Mit Absicht.
Das ist kein Zaubertrick. Das ist Handwerk.
Unsere Kunden kommen mit unterschiedlichem Gepäck. Manchmal ist es ein Gefühl – ein ungefähres Bild davon, was passieren soll, was beim Teilnehmer hängen bleiben soll, welche Stimmung im Raum liegen soll. Manchmal ein Satz. Manchmal nur das Wissen, dass das letzte Mal nicht gut war.
Ab und an kommt jemand mit etwas, das auf den ersten Blick sehr konkret aussieht – und das ist eine andere, oft schwierigere Aufgabe. Hinter einem fertigen Briefing verbirgt sich häufig eine Unternehmensstruktur mit eigener Sprache: Ziele, die eine Führungsebene formuliert hat. Aussagen, die intern vereinbart wurden. Ein Leitbild, das plötzlich erlebbar werden soll. Das erste, was wir dann tun, ist nicht kreativ werden. Das erste, was wir tun, ist verstehen. Die Sprache des Unternehmens übersetzen – in etwas, das Menschen während eines Events wirklich berührt. Das ist keine Textaufgabe. Das ist Dramaturgie.
Wir sind ein kleines, heterogenes Team. Unterschiedliche Hintergründe, unterschiedliche Instinkte, unterschiedliche Geschmäcker. Wenn wir zusammensitzen, bringt jeder etwas mit – einen Ansatz, ein Bild, manchmal ein fertiges Konzept. Keines dieser Konzepte überlebt den Tisch unverändert. Was entsteht, hat niemand vorher so gesehen. Das hat manchmal was von Chaos. Aber vor allem hat es Methode.
Frühe Uneinigkeit ist bei uns ein gutes Zeichen.
Wenn sich alle in der ersten Runde sofort einig sind, wird es eng – dann haben wir zu viel übersprungen, die Details nicht gesucht, die am Ende den Ausschlag geben. Also streiten wir. Und wenn's nichts zu streiten gibt, brechen wir einen vom Zaun. Das ist kein Makel unserer Zusammenarbeit. Es ist ihr Kernmotor. Und er hält uns davon ab, uns selbst für das Besondere zu halten – während wir die Aufgabe ernst nehmen, die vor uns liegt. Ersteres macht blind. Letzteres macht gut.
Das Gleiche gilt für das Gespräch mit dem Kunden. Wir arbeiten auf Augenhöhe: Wir sagen, was wir denken – auch wenn es unbequem ist. Wir fragen nach, bis wir verstanden haben, was wirklich gemeint ist, nicht was zuerst gesagt wurde. Klare Kommunikation ist mehr Arbeit als vage Freundlichkeit. Auf beiden Seiten. Und: Ja, der Kunde zahlt die Rechnung – aber mit uns kauft man Köpfe, nicht Ausführung.
Und die Schachtel? Die verändert sich ständig. Was gestern überraschte, ist heute Erwartung. Stillstand ist keine Option.
Und dann – wenn der Streit geführt wurde, wenn die Details gefunden sind, wenn das Team wirklich zusammen gedacht hat und der Kunde wirklich gehört wurde – entsteht manchmal etwas, das ich immer noch nicht besser beschreiben kann als Feenstaub. Nicht schöner Schein. Sondern das Glitzern, das anzeigt, dass hier etwas wirklich durchdacht ist. Das man nicht kaufen kann und nicht kopieren kann, weil es aus diesem Team, für diesen Kunden, in diesem Moment entstanden ist.
Und erst dann – wenn das alles passiert ist – kommt Kai aus der Kiste.
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— Melanie
Über den Autor

Melanie Thurm
Inhaberin & Kreativdirektorin. Visionär, mutig — und das Herz von DAS SCHWARZE SCHAF®.