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Feenstaub

Krähenfüße bei JASS

Franzi Kowitz

Franzi Kowitz

18. März 2026

Krähenfüße bei JASS 1

Pappe und Blüten für das 20-jährige Jubiläum der Papierfabrik JASS in Fulda und dann warten auf Fältchen

Der Ringmuskel um die Augen kann kaum bewusst gesteuert werden. Das Lächeln in und an den Augen ist also Ausdruck aufrichtiger Freude. Ich habe das nicht gewusst als ich anfing Designs aus Blumen zu entwerfen. Ich dachte immer meine Krähenfüße kommen vom Stress.

JASS ist eine Papierfirma. Gegründet wurde sie 1960 von Adolf Jass in Fulda. Geführt wird sie heute von einer Tochter des Gründers — ein Betrieb, der Identifikation nicht kommuniziert sondern lebt. Kein Marketing-Event hier heute also. Sondern ein Jubiläum, Versprechen und ein Dankeschön an die eigenen Leute.

Das Briefing war klar wie Kloßbrühe: Das Material der Firma soll sich in all seinen Verwendungsmöglichkeiten und Farben selbst feiern. Blumen müssen her, aber nicht Marke Diadem sondern ein stilsicherer Ring, der alles zusammenführt. Also galt es Podeste, Tische, Foyer, Bar, Tanzfläche, Garten, Bühne überall mit Kraftpapier zu gestalten ohne sinnlos und affektiert zu wirken. Das Petrol der Marke Jass wollte platziert sein. Auf Texturen, der Candybar und am Spiegel auf der Toilette. Man wollte durchdachten Feenstaub.

so here we are.

Es ist 16:59 Uhr und ich steh an der Haupteingangstür zum Festsaal des Jass Papierfabrik Jubiläums in Fulda letzten September. Warum ? Weil ich fertig bin. Fix und fertig sozusagen. Ich könnte natürlich auch im Hof stehen und dort fertig sein, das kann ich überall gut, aber hier ist es viel besser, denn es geht gleich los. Hinter der großen Tür des Bankettsaals höre ich die wachsende Zahl der Gäste. Ich bin zufrieden und wahnsinnig gespannt zu gleich.

Die Tür geht auf. Eine Frau betritt als Erste den Raum, Mitte fünfzig, gut gekleidet, den Blick noch auf dem Handy. Dann hebt sie den Kopf. Stoppt. Schaut. Ein Schmunzeln leuchtet vorsichtig über ihr Gesicht und da! Die kleinen Fältchen an den Augenwinkeln.  

Hinter ihr folgen 500 Menschen. Ich schaue Ihnen nicht allen direkt ins Gesicht, hauptsächlich, weil es keine 500 Menschen braucht, um mich daran zu erinnern, dass ich ein wenig verrückt bin. Viele stoppen und halten kurz inne. Ich freue mich mit Ihnen und genieße die Schönheit unwillkürlicher Reaktionen. Es ist einfach großartig. Vor 60 Minuten hatte ich meinen Job im Minutentakt verflucht, denn klar waren 50 Probleme auf einmal aufgetaucht. Kurz vor der Angst, wie das manchmal so ist. Aber jetzt, in diesem Augenblick liebe ich meine Arbeit. Den ganzen Bogen: vom Briefing, die Prototypen, die Abgleiche, die Verwirklichung und nun die Umsetzung.

Die gesamte Feier über begegnen mir Menschen, die sich gegenseitig auf all die kleinen durchdachten Designs aufmerksam machen. Die extra produzierten Tischdesigns aus Pappe und kleinen Glaskolben werden mit nach Hause genommen und am nächsten Tag sogar vorsichtig verpackt und an die Firmenzentrale verschickt. Das größte Kompliment, dass eine Gestaltung erhalten kann.

Nun ist es 22:00 Uhr und die After Party wurde soeben entkorkt, ich muss los, geschäftlich natürlich. Sie erkennen es an meinen Krähenfüßen.

Über den Autor

Franzi Kowitz

Franzi Kowitz

Konzepte, die zünden. Kreation, die bleibt. Leidenschaft inklusive.

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